Fruchtbarer Austausch über aktuelle Themen


Kirchenkreisräte des pommerschen und des mecklenburgischen Kirchenkreises trafen sich in Greifswald

Im Rahmen ihrer vereinbarten regelmäßigen Treffen tagten die Kirchenkreisräte (KKR) des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK) und des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg (ELKM) am vergangenen Wochenende (14. Mai) in der Johanneskirche in Greifswald. Während des mittlerweile neunten Treffens standen unter anderem der Austausch, die gegenseitige Information sowie die zahlreichen bestehenden Kooperationen und deren weiterer stetiger Ausbau auf der Tagesordnung. Geleitet wurde die Sitzung gemeinsam von Propst Gerd Panknin, Vorsitzender des pommerschen KKR, und Propst Dirk Sauermann, Vorsitzender des mecklenburgischen KKR. Neben fruchtbaren Gesprächen über in den Kirchenkreisen aktuelle Themen wurden mehrere konkrete Verabredungen bezüglich der weiterzuentwickelnden Zusammenarbeit getroffen. So soll die Küsterarbeit der beiden Kirchenkreise im Sprengel Mecklenburg und Pommern zusammengeschlossen werden. „In der Vergangenheit kamen bereits pommersche Küsterinnen und Küster zu mecklenburgischen Treffen. So hat sich bereits eine breite Zusammenarbeit entwickelt“, sagte Dirk Sauermann. Die besondere Prägung der Arbeit der Küsterinnen und Küster sei im PEK und im ELKM ähnlich. Durch den Zusammenschluss der Küsterarbeit lasse sich diese Prägung innerhalb der Nordkirche besser vertreten, so der Propst. Zudem verabredeten die Kirchenkreisräte, dass in die von der pommerschen Synode beschlossene Arbeitsgruppe, die sich mit den Herausforderungen der Doppik für die Kirchengemeinden befasst, auch Vertretende aus Mecklenburg entsandt werden. Durch diese Kooperationen werde die gemeinsame Stimme der beiden Kirchenkreise innerhalb der Landeskirche gestärkt, hieß es aus den Reihen der Kirchenkreisräte zu diesen Absprachen.

Bischof Tilman Jeremias: „Corona-Zeit hat Kirche extrem gefordert.“

Ein Punkt auf der Tagesordnung war der Bericht des Bischofs im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Tilman Jeremias, der als ständiger Gast an dem Treffen der beiden KKR teilnahm und auch die Andacht zu Beginn der Sitzung hielt. Der Bischof berichtete den Kirchenkreisratsmitgliedern unter anderem von der zurückliegenden Synode der Nordkirche sowie vom Stand der Vorbereitungen für das Europäische Treffen von Taizé in Rostock vom 28. Dezember 2022 bis 1. Januar 2023 und für das Mitmach-Chormusical „Martin Luther King“ am 18. März 2023 in Rostock. „Die Corona-Zeit hat uns als Kirche extrem gefordert und wir stecken da auch noch mittendrin“, so der Bischof zu Beginn seines Berichts. Es seien teils harte Debatten geführt worden, es habe Risse in Gemeinden und bis hinein in Freundschaften und Familien gegeben. Die Aufgabe kirchlicher Leitungsverantwortung sehe er darin, dafür zu sorgen, dass Gespräche dennoch fortgesetzt werden können und auch weiterhin möglich sind. „Wir sollten unterschiedliche Meinungen aushalten können und in unserer Kirche und in der Gesellschaft mit dem Aufruf auftreten, aufeinander zuzugehen, sich nicht gegenseitig niederzubrüllen, sondern zuzuhören und miteinander zu reden.“ Dieser Aufruf richte sich allerdings an die breite Mitte und nicht an die extremistischen Ränder, betonte Tilman Jeremias.

Kirchenkreisräte

Mitglieder der Kirchenkreisräte des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises und des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg während ihres Treffens vor dem Eingang der Greifswalder Johanneskirche. Als ständiger Gast der regelmäßigen Begegnungen nahm Bischof Tilman Jeremias (links) an der Zusammenkunft teil. Foto: PEK / Sebastian Kühl


Bis zu 1.000 Teilnehmende bei King-Musical möglich

Die Aufführung des Mitmach-Chormusicals „Martin Luther King - Ein Traum verändert die Welt“ findet am 18. März 2023 in der StadtHalle in Rostock statt. „Das Musical ist klasse, nicht zuletzt deshalb, weil auch hier wieder beide Kirchenkreise gemeinsam dabei sind und dieses Vorhaben unterstützen“, so Tilman Jeremias. Es gebe bereits mehrere Projektchöre in beiden Kirchenkreisen. Insgesamt 530 Sängerinnen und Sänger sind bereits angemeldet, bis zu 1.000 können dabei sein. „Das Musical ist eine besondere Chance, Chöre mit auf den Weg zu nehmen und Menschen aus allen Zusammenhängen dazu zu bewegen, dabei zu sein oder zur Aufführung zu gehen“, so der Bischof. Das Musical biete die Möglichkeit, Menschen auf ganz andere Weise zu erreichen. Zudem stehe ein großartiger Mensch im Mittelpunkt, der gezeigt habe, dass Glaube heißt, auf Jesu Spuren gewaltlos Konflikte zu lösen. Weitere Infos zum Musical sind auf der Internetseite www.kirche-mv.de zu finden. Auch zum Taizé-Treffen, das ebenfalls in Rostock stattfindet, bietet der gemeinsame Internetauftritt der beiden Kirchenkreise eine Info-Box. „Ich hoffe, dass möglichst viele Kirchengemeinden in beiden Kirchenkreisen mitmachen und zum Taizé-Treffen etwas auf die Beine stellen. Es sind bereits jetzt viele auf dem Weg, um überall vor Ort das Taizé-Leben im Kleinen nachzuempfinden“, berichtete der Bischof.

Vertrauensvolles Miteinander beider Kirchenkreise

„Seit zweieinhalb Jahren bin ich jetzt Bischof und sehr dankbar für alles, was im Sprengel am Wachsen ist und für das vertrauensvolle Miteinander zwischen Mecklenburg und Pommern“, sagte Tilman Jeremias zum Ende seines Berichts. Dieses Miteinander trage dazu bei, dass die beiden Kirchenkreise in der großen Nordkirche besser zu hören sind. Die gute Zusammenarbeit bedeute dabei nicht, dass gewachsene Unterschiede verschwinden müssen. Im Gegenteil könnten Gemeinsamkeiten gestärkt und gleichzeitig die jeweilige pommersche und mecklenburgische Identität bewahrt werden. „Es gibt bereits eine so gute und breit aufgestellte Zusammenarbeit zwischen den Kirchenkreisen und es ist schön, dass sich das immer weiterentwickelt. Die regelmäßigen Treffen der beiden Kirchenkreisräte sind eines von vielen Beispielen dafür, wie gut das läuft“, so der Bischof.

Diskussion über Friedenserklärung der Nordkirche

Die KKR-Mitglieder diskutierten intensiv die christliche Friedensethik und die von der Landessynode beschlossene Erklärung, von der Bischof Tilman Jeremias unter anderem berichtet hatte. In dieser Erklärung erkennt die Nordkirche das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine an und hält Waffenlieferungen für vertretbar. Zugleich weist die Friedenserklärung auf die Förderung des gewaltfreien und zivilgesellschaftlichen Widerstands hin. So ermöglicht die Erklärung einerseits, die Verteidigung in der Ukraine zu unterstützen, auch mit Waffenlieferungen, andererseits setzt sie sich aber auch für Friedensprozesse und für den Frieden fördernde Maßnahmen ein. Einigkeit herrschte bei den Kirchenkreisratsmitgliedern darüber, dass es die Kirche als Stimme des Friedens und der Gewaltlosigkeit brauche. Zudem herrschte Konsens drüber, dass die Fragen christlicher Friedensethik weiter diskutiert werden müssen.

Entwicklungsprozesse im pommerschen Kirchenkreis

Elke König, Präses der pommerschen Kirchenkreissynode, blickte während eines ausführlichen Berichts auf die jüngste Tagung der pommerschen Synode zurück. Dabei legte sie das Augenmerk auf die vielfältigen Entwicklungsprozesse, denen sich Synode und Kirchenkreis aktuell und künftig stellen werden sowie auf den Aufgabenkatalog, den das Synodenpräsidium für die Weiterarbeit erstellt hat. Ein Schwerpunkt ist dabei die Optimierung kommunikativer Prozesse, beispielsweise im Zusammenhang mit der Vorbereitung von Synoden. „Das einzig Beständige ist Veränderung“, resümierte Elke König und stellte bereits Ideen vor, die sich beispielsweise auf die Bereitstellung von Informationsmaterial für die Synodalen im geschützten Bereich der Internetseite der Kirchenkreise bezogen.

Kirche bleibt in der Fläche präsent

Propst Gerd Panknin berichtete aus dem pommerschen Kirchenkreis unter anderem von den Erfolgen der Regionenprozesse, von den Herausforderungen der Neuverteilung von Aufgaben aufgrund der Umwandlung von Pfarrstellen in Mitarbeitendenstellen und vom Projekt der Pfarramtsassistenz, das wie geplant zu einer großen Entlastung der Pastorinnen und Pastoren von Verwaltungsaufgaben geführt habe. „Nun sind derzeit Arbeitsgruppen damit beschäftigt, Wege und Möglichkeiten zu finden, die Pfarramtsassistenz weiterzuführen, die zum 31. Dezember 2023 ausläuft.“ Der Vorsitzende des pommerschen KKR nutzte das Treffen auch, um das Bekenntnis zu kirchlicher Präsenz in der Fläche zu untermauern. Die Herausforderungen des ländlichen Raums in Mecklenburg und Pommern würden nicht kleiner. „Wir ziehen uns aber trotzdem nicht aus den ländlichen Regionen zurück“, betonte Gerd Panknin. „Die Propsteien erstrecken sich über riesige Flächen, dennoch sind wir weiter überall unterwegs.“ Als Beispiel nannte er die Propstei Demmin, in der derzeit alle Pfarrstellen besetzt sind. „Das ist ein starkes Signal für die Präsenz in der Fläche.“

Gemeinsames Arbeitsrecht ist auf dem Weg

Propst Dirk Sauermann informierte die KKR-Mitglieder über die aktuellen Entwicklungen auf dem Weg zu einem einheitlichen Arbeitsrecht in der Nordkirche, dessen Einführung voraussichtlich im November von der Landessynode beschlossen wird: „Die Synoden der beiden Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern haben dabei ein Zustimmungsrecht.“ Die Einführung des gemeinsamen Arbeitsrechts bedeute den Systemwechsel vom arbeitsrechtlich sogenannten „Dritten Weg“ zum „Zweiten Weg“. Beim „Dritten Weg“ erfolgt die Arbeitsrechtssetzung durch paritätisch besetzte Arbeitsrechtliche Kommissionen, beim „Zweiten Weg“ wird ein Tarifvertrag zwischen zwei voneinander unabhängigen Tarifparteien abgeschlossen. Unter anderem werde es dann eine einheitliche Entgelttabelle für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlich-diakonischen Bereich geben, die tarifvertraglich in der Tarifpartnerschaft erfasst sind. Ein Zeitplan stehe dafür aber noch nicht fest, so Dirk Sauermann.

Weitere Themen und geplante Treffen

Zu den weiteren besprochenen Themen zählten die Besetzung der Vertretung der Kirchenkreise im Landesplanungsbeirat, die finanzielle Ausstattung der Telefonseelsorge, die mecklenburgische Stiftung „Kirche mit Anderen“, die Schulseelsorge, Fragen der Fort- und Weiterbildung, die Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt sowie die thematische Ausrichtung des landeskirchlichen Zukunftsprozesses. Die nächsten Treffen der Kirchenkreisräte finden voraussichtlich im Herbst zum Thema „Gemeinsames Arbeitsrecht“ per Videokonferenz sowie am 28. Januar 2023 in Güstrow statt.

Stichwort Kirchenkreisräte

Die Kirchenkreisräte der beiden Kirchenkreise vertreten ihre jeweiligen Kirchenkreise in allen Angelegenheiten. Sie führen die Aufsicht über die 341 Kirchengemeinden (139 im PEK und 202 im ELKM) und ihre Verbände sowie über die Dienste und Werke und erteilen die erforderlichen Genehmigungen. Beide Gremien bestehen aus jeweils 13 Mitgliedern. Ihnen gehören die Pröpstinnen und Pröpste der drei (PEK) beziehungsweise vier (ELKM) Propsteien der Kirchenkreise als geborene Mitglieder an. Die weiteren Mitglieder wurden von den Synoden der Kirchenkreise gewählt. Die Kirchenkreisräte bereiten die Entscheidungen der Kirchenkreissynoden vor, bringen Vorlagen ein und führen die Beschlüsse aus. Sie bringen den Haushalt ein und sind für die Durchführung verantwortlich. Sie beraten die Pröpstinnen und Pröpste, berufen die Pastorinnen und Pastoren in die Pfarrstellen der Kirchenkreise und führen die Aufsicht über die Kirchenkreisverwaltung.

Greifswald - 16.05.2022
Quelle: Pommerscher Evangelischer Kirchenkreis