Offener Brief der Theater in MV


Offener Brief der Theaterleitungen zur Schließung der Theater in Mecklenburg-Vorpommern

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Schwesig, sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Martin,

die Leitungen der öffentlich getragenen Theater in Mecklenburg-Vorpommern richten heute ihre gemeinsame Stimme an Sie. Unsere Gesellschaft befindet sich durch die Corona-Pandemie in einer Notlage und natürlich sehen wir es als unsere Pflicht und Verantwortung, unseren Beitrag zur Bewältigung dieser Notlage zu leisten.

Dazu gehört zuallererst, die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Besucher zu schützen, entsprechende Hygiene-Vorkehrungen zu treffen und als letzte Maßnahme auch, wo nicht mehr anders lösbar, unseren Spielbetrieb zeitweise einzustellen, um Kontakte unter unseren Besuchern zu verhindern.

Für die Bewältigung der gesellschaftlichen Notlage bringen wir aber weit darüber hinaus zentrale Kompetenz und Verpflichtung mit: Kunst lässt uns unsere Existenz und unsere gesellschaftliche Realität reflektieren. Sie hat zur Aufgabe, die jeweilige Zeitsituation aufzugreifen, zu verarbeiten und zu vermitteln. Kunst und kulturelles Leben geben uns Identität, Halt und Kraft.

Wir sorgen uns, dass unsere zentrale gesellschaftliche Rolle im Gefecht schnell notwendiger Entscheidungen aus dem Blick gerät und unsere Kompetenz und Kraft nicht zu den Menschen gelangt.

Sollten wir alle noch längere Zeit mit der Pandemie leben müssen, so ist es für unsere Gesellschaft von höchster Wichtigkeit, dass der lebendige Kontakt zwischen Künstlern und Publikum aufrechterhalten wird.

Wir müssen gemeinsam darüber reden, auf welche Weise und unter welchen Bestimmungen wir den Spielbetrieb ab dem 1. Dezember auf sichere und verantwortliche Weise wiederaufnehmen können. Auch in den kommenden Wochen und Monaten werden Sie weitere schwierige Entscheidungen, u.a. auch zum Spielbetrieb der Theater treffen müssen. Wir wollen mit Ihnen zusammenarbeiten, um unsere Möglichkeiten bei der kulturellen Bewältigung der Pandemie ausspielen zu können und um Mecklenburg-Vorpommern als Land voller Lebensqualität, Natur und Kultur, gerade auch in herausfordernden Zeiten, zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Schneider
Vorpommersche Landesbühne, Anklam

Sven Müller und Malte Baehr
Theater und Orchester GmbH Neubrandburg/Neustrelitz

Ralph Reichel und Cornelia Ascholl
Volkstheater Rostock

Dirk Löschner und Peter van Slooten
Theater Vorpommern, Stralsund, Greifswald und Putbus

Lars Tietje
Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin und Parchim

Stralsund / Greifswald - 03.11.2020
Quelle: Theater Vorpommern