Zukünftige Ausrichtung der Stadt


Rede des Oberbürgermeisters Silvio Witt zur zukünftigen Ausrichtung der Stadt Neubrandenburg anlässlich der Stadtvertretersitzung am 25. Oktober 2018

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin, sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, liebe Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger, vor genau dreieinhalb Jahren habe ich Ihnen an dieser Stelle, in der ersten regulären Stadtvertretersitzung meiner Amtszeit, meine Sicht auf unsere Stadt und ihr großes Potenzial gezeigt. Diese Gedanken habe ich anschließend in drei Ziele für meine Amtszeit zusammengefasst: Stadtidentifikation fördern, Stadtentwicklung forcieren und den Weg zu einer modernen Verwaltung beschreiten.

Geben Sie mir bitte kurz die Gelegenheit auf Erreichtes zu schauen, denn der rasende Alltag lässt uns häufig vergessen, welche Herausforderungen wir in den zurückliegenden Jahren bereits gemeinsam erfolgreich bewältigt haben. Hier – ganz unsortiert – einige Fakten: Wir haben gut 30 Millionen Euro Schulden getilgt. Wir konnten eine neugebaute Schule sowie zwei sanierte übergeben. Unsere Bibliothek ist erfolgreich umgezogen. Der Bahnhof ist in einigen Wochen umgebaut. In Monckeshof, auf dem Lindenberg, am Fontanehof und am Steep sind neue Wohngebiete entstanden. Viele Wohnungen im Bestand wurden aufwändig saniert. Ein Teil der Umgehungsstraße ist im Bau. Mehrere Brücken, die uns lange Jahre Sorgen bereitet haben, sind erneuert oder entstehen gerade. Straßen und die darunterliegenden Leitungen wurden auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Wir haben viel aufgeholt!

Die Stadt hat an vielen Stellen ihr Gesicht verändert und ist schöner geworden. Es wurden nicht nur bauliche Lücken geschlossen, sondern auch wichtige Kontakte und Verbindungen wieder hergestellt. Durch zahlreiche Veranstaltungen, Foren, Bürgersprechstunden oder auch Konzerte ist es uns außerdem gelungen, auf uns innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen aufmerksam zu machen und ein stärkeres Wir-Gefühl zu erzeugen. Ich bin stolz, dass wir auch die Herausforderungen der Migration angenommen haben und dieses Thema offen und konstruktiv angehen – trotz aller Schwierigkeiten. Wir Neubrandenburger zeigen, dass wir die Verantwortung einer Kreisstadt annehmen und Gestalter sowie Impulsgeber für die Seenplatte sind.

Ich will einräumen, dass manches länger dauert als erwartet. So bedaure ich, dass es bisher noch nicht gelungen ist, ein Hotel in der Innenstadt zu errichten. Die derzeitigen Entwicklungen diesbezüglich sind jedoch positiv. Insgesamt überwiegt das Geleistete der letzten Jahre und strahlt in die Stadtgesellschaft aus. Kurzum, unserer Stadt geht es gut. Vielleicht sogar sehr gut.

Nun möchte ich den oft zitierten Blick in die Zukunft wagen und skizzieren, wie ich mir diese vorstelle. Die Ziele bleiben dabei dieselben – mehr Identifikation, mehr Entwicklung, mehr modernere Verwaltungslösungen.

Rein formal wird die Zukunft schon in der nächsten Stadtvertretersitzung auf den Weg gebracht. Dann wird der Startpunkt für ein Planungsinstrument gesetzt, das einen ziemlich sperrigen und nüchternen Namen trägt – Flächennutzungsplan. Er definiert die Flächen beispielsweise für Wohnen, Kleingärten, Sport oder Wirtschaft. Auf dem Weg zur Aufstellung des neuen Flächennutzungsplans möchten wir Sie, liebe Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger, und selbstverständlich auch Sie, sehr geehrte Ratsfrauen und Ratsherren, jedoch intensiv und kreativ involvieren. Dabei ist die zentrale Frage: Wie stellen wir uns Neubrandenburg in den nächsten zehn oder 15 Jahren vor?

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle meinen Blick auf unserer Viertorestadt der Zukunft anhand von drei Themenfeldern vorstellen.

Ich sehe Neubrandenburg als eine weiterhin wachsende Stadt. Unsere stadtplanerischen Aktivitäten sollten sich daher auch auf ein Wachstum ausrichten. Jedes Ziel muss greifbar sein. Ich möchte, dass Neubrandenburg sich langfristig auf eine Einwohnerzahl von 70 000 zubewegt. Dies bedeutet einen Paradigmenwechsel und dieser muss an den entscheidenden Stellen kommuniziert werden. Die Entwicklung der letzten Jahre sollte auch das Land Mecklenburg-Vorpommern überzeugt haben, dass Neubrandenburg das echte und einzige Oberzentrum für das östliche Mecklenburg-Vorpommern ist. Dafür sprechen die guten Kontakte zum Landtag und den Ministerien. Dementsprechend verbinde ich mit dem zunehmenden Wachstum unserer Stadt auch eine weiterhin hohe Bereitschaft des Landes uns als Kommune auf diesem Weg zu unterstützen. Damit verbinde ich auch die Erwartung, dass Neubrandenburg auf dem Radar von Landesveranstaltungen und bei der Verortung von Landes- und Bundesbehörden stärker in den Fokus rückt.

Somit benenne ich das erste Handlungsfeld: Das Bevölkerungswachstum originär sowie durch Zuzug generiert, können wir nur durch strategisch klugen Wohnungsbau bewältigen und befördern. Dazu zähle ich vorrangig Verdichtungen mit mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern in Innenstadtnähe und in den Großwohnsiedlungen. Dies ist nicht nur aus infrastrukturellen Gründen wie Verkehrsanbindung oder Kita- und Schulkapazitäten wichtig, sondern vor allem ökologisch anzustreben. In einer Welt, in der Ressourcen knapp werden, sind Verdichtungen ein Weg des bewussten Flächenmanagements. Unsere Partner hierbei sind die beiden großen Wohnungsunternehmen Neuwoges und Neuwoba sowie weitere Vertreter der Immobilienwirtschaft. Erste größere Projekte in der Gauß- oder Humboldtstraße sowie in der Innenstadt und im Katharinenviertel, hier nenne ich die neuen Wohnhäuser in der Ziegelberg- und in der Külzstraße, zeigen, dass diese Wohnungsformen nicht nur nachgefragt werden, sondern Nachfrage auch über die Stadtgrenzen hinaus erzeugen.

Nichtsdestotrotz werden wir im kommenden Monat einen größeren Standort für Ein- und Mehrfamilienhäuser präsentieren, der neu erschlossen werden soll. Auch für das Segment der Einfamilienhäuser muss eine wachsende Stadt Neubrandenburg Antworten geben – und das werden wir tun.

Ich möchte zum zweiten Handlungsfeld kommen – den Infrastrukturmaßnahmen. Natürlich müssen wir für eine sich verändernde Gesellschaft auch neue Infrastrukturansätze bieten. Kurz gesagt – mehr Platz für Fahrräder, Spaziergänger und auch mehr Platz für Kinder. Die Verbesserung der Spielplatzinfrastruktur gehen wir seit drei Jahren aktiv an und werden 2019 in der Oststadt und in der Ihlenfelder Vorstadt zwei große neue Freizeitanlagen schaffen. Weitere sind im Kulturpark und in der Innenstadt geplant. Der Lebenswert der Stadt Neubrandenburg muss sich durch solche vermeintlich kleinen Maßnahmen weiter steigern. Kleine Ideen mit großer Wirkung sind gefragt. Eine kleine Markthalle am Ende der Turmstraße auf dem Schützenwall beispielsweise kann belebend für den Einzelhandel wirken und bringt vor allem mehr Gemütlichkeit in das Leben der Menschen. Viele dieser kleinen Ideen gilt es zu entdecken und zu entwickeln.

Der öffentliche Personennahverkehr muss in unserer Stadt unbedingt auf diesem Niveau gehalten werden. Vielmehr muss es unser Ziel sein, die Innenstadt direkt zu erschließen und interessante Angebote für Autofahrende zu schaffen, so dass diese den ÖPNV stärker für sich entdecken. Auch ist es mein Ziel, im nächsten Jahr mit Ihnen gemeinsam die Pläne für eine neue Schwimmhalle zu konkretisieren und so eine moderne Sportstätte auf den Weg zu bringen. Nur das wird unserer Stadt als Oberzentrum gerecht.

Das dritte große Handlungsfeld ist die Wirtschaft. Sie ist der wichtigste Pfeiler für die Entwicklung unserer Stadt. Nur die Unternehmen und die Menschen, die für sie arbeiten, haben den positiven Trend der vergangenen Jahre ermöglicht. Mit einer Beschlussvorlage zur Revitalisierung des Industriegebietes in der Ihlenfelder Straße setzen Sie schon in der Dezembersitzung – so hoffe ich – ein deutliches Zeichen an die heimischen Wirtschaft. Mit Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern wollen wir ungenutzte Brach- und Ruinenflächen wiedergewinnen und der Wirtschaft für Neuansiedlungen und Erweiterungen zur Verfügung stellen. Diesen Weg sollten wir konsequent im Blick haben. Dabei werden natürlich die weiteren Industrie- und Gewerbeflächen nicht aus dem Auge verloren. Wichtig ist, dass kommunale Investitionen für die weitere Entwicklung der Wirtschaft mehr Priorität erhalten. Dazu zähle ich Erschließungsmaßnahmen und die Unterstützung beispielsweise bei Unternehmensverlagerungen in andere Gewerbegebiete der Stadt. Für die konkreten Maßnahmen ist die Netzwerkarbeit der Wirtschaftsförderung die viel zitierte Basis.

Meine Damen und Herren, liebe Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger, lassen Sie 2019 zum Jahr der Teilhabe; zum Jahr des Mitmachens werden. Identifizieren Sie sich, entwickeln Sie mit, entscheiden Sie mit! Wir schaffen ab sofort die organisatorischen Voraussetzungen dafür, Sie ab Mitte des kommenden Jahres in Workshops um Ihre Sicht auf die zukünftige Ausrichtung Neubrandenburgs als lebenswerte Stadt zu bitten. Die Zeit davor möchte ich dazu nutzen, in allen zehn Stadtteilen jeweils eine gemeinsame Gesprächsrunde zu diesen eben genannten spannenden Zukunftsthemen zu führen. Natürlich braucht ein solches Zukunftsprogramm einen Titel; einen Namen, der es für alle griffig und zielführend zusammenfasst:

„Neubrandenburg 70 000 – mehr Bühne fürs Leben.“ Lassen Sie uns gemeinsam diese Bühne gestalten. Vielen Dank.

Neubrandenburg - 25.10.2018
Quelle: Pressestelle Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg am Tollensesee