Nachhaltige Aquakultur ausbauen


Minister Dr. Till Backhaus (SPD): Nachhaltige Aquakultur in Mecklenburg-Vorpommern ausbauen

„Die Aquakultur führt in Deutschland leider noch ein absolutes Schattendasein. Bei Fisch und aquatischen Produkten sind wir aktuell in hohem Maße abhängig von außereuropäischen Importen; der Selbstversorgungsgrad in diesem Bereich liegt in Deutschland bei nur 12 Prozent. Die aktuelle deutsche Aquakulturproduktion deckt mit 0,4 Prozent sogar nur einen Bruchteil der Nachfrage ab. In Mecklenburg-Vorpommern werden derzeit lediglich 1.300 Tonnen Fisch pro Jahr in Aquakultur aufgezogen.“ Das berichtete Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus heute in Rostock auf dem „Dialogforum Aquakultur“ mit Teilnehmern aus dem Leningrader Gebiet, aus Kasan und aus Tatarsan zum „3. Unternehmertag Russland in MV“.

Dabei steige die Nachfrage nach Nahrungsmitteln aus Aquakultur nicht nur In Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland, sondern weltweit. Die Weltmeere seien im Höchstmaß genutzt und zum Teil überfischt, der klassische Fischfang – auch aufgrund restriktiver Fangquoten – rückläufig. Fisch sei zudem zunehmend mit Mikroplastik oder anderen Rückständen belastet.

„Vor diesem Hintergrund ist die Aquakultur zu einem globalen Markt mit erheblichem Wachstumspotential geworden. International betrachtet ist die Aquakultur einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige der Nahrungsmittelerzeugung“, so Backhaus.

In der weltweiten Aquakulturerzeugung betrug der Produktionszuwachs zwischen 2006 und 2016 im Mittel 3,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) verfünffachte sich die Aquakulturerzeugung weltweit seit 1990 auf rund 67 Millionen Tonnen je Jahr. Hält das rasante Wachstum der Aquakulturbranche – vor allem in Asien, aber auch in Norwegen – an, so könnte sie FAO zufolge den klassischen Fischfang bis 2022 eingeholt haben.

„Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch liegt in Deutschland bei rund 15 Kilogramm im Jahr; Aquakultur deckt davon bisher ein Viertel ab“, berichtete Backhaus weiter. 1,3 Millionen Tonnen Aquakulturerzeugnisse werden jährlich nach Deutschland importiert. Hauptlieferant mit 1,1 Millionen Tonnen ist Norwegen – das Land liefert hauptsächlich Zuchtlachs. Zweitwichtigster Lieferant mit 530.000 Tonnen pro Jahr ist China.

„Hier erschließt sich ein riesiger Markt, an dem Mecklenburg-Vorpommern partizipieren kann. Wenn es uns gelänge, nur 1 Prozent der von Deutschland importierten Aquakulturerzeugnisse in MV zu produzieren, wären das jährlich 13.000 Tonnen – zehnmal soviel wie heute“, sagte er.

Seit 2010 habe Mecklenburg-Vorpommern allerdings lediglich eine Summe von 4 Millionen Euro Förderung an Unternehmen der Aquakultur ausgezahlt und damit Investitionen in Höhe von 8 Millionen Euro ausgelöst. „Das ist eindeutig zu wenig“, kritisierte der Minister. Das Land unterstütze außerdem Pilotprojekte zur Aquakultur an der Universität Rostock und am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie. „Es ist der erklärte Wille der Landesregierung, den Ausbau der nachhaltigen Aquakultur voranzutreiben und den Anteil der Eigenversorgung mit Fisch zu erhöhen“, unterstrich er.

Backhaus brach eine Lanze für die in MV praktizierte nachhaltige Kreislauftechnologie in der Aquakultur: „Mit modernen kreislaufanlagen lassen sich Umweltprobleme vermeiden, die bei den gängigen Netzgehege-Anlagen und Teichen noch auf der Tagesordnung stehen.“ Kreislaufanlagen schonten Wasserressourcen, seien witterungsunabhängig und hygienisch zu betreiben und kämen gänzlich ohne Antibiotika aus. „Zusammen mit dem Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei haben wir inzwischen 30 Standorte im ganzen Land identifiziert, die für die Errichtung von Kreislaufanlagen geeignet sind. Nun gilt es für uns, Investoren zu gewinnen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es auch durch unsere länderübergreifende Zusammenarbeit gelingt, die nachhaltige Aquakultur in Mecklenburg-Vorpommern weiter voranzutreiben“, schloss der Minister.

Schwerin - 16.10.2018
Quelle: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt