StadtGartenlabor


„StadtGartenlabor“ – Rostocks Südstadt wird bunter

Seit ein paar Monaten tut sich etwas in der Nobelstraße, gleich neben der Kleingartenanlage Südrand. Bis vor kurzem lag dort eine Fläche brach, nun ist alles gemäht und Jugendliche arbeiten jeden Donnerstag mit Spaten und Hacke in der Erde. Ursprünglich war die Fläche als Ersatz für überplante Kleingartenanlagen geschaffen worden, doch die Resonanz der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner blieb zunächst aus. Deshalb dachte die Stadt über ein alternatives Konzept nach, das brachliegende Reserveareal für die Einwohnerinnen und Einwohner vielfältig erlebbar zu machen und innovative Ansätze zu erproben.

Das Südstadtprojekt KURZE WEGE BUNTE HÖFE suchte gleichzeitig nach einem Schulgarten für die 9./10. Klassen der Don-Bosco-Schule in Rostock und wurde hier fündig. Zum 1. September 2020 wurde die erste Gartenparzelle zur Nutzung an das Projekt übergeben. Die Schule richtete einen dreistündigen Wahlpflichtkurs „ökologischer Landbau“ ein und die Schülerinnen und Schüler standen sofort Schlange. „Ich wollte auch mal draußen sein und finde es schön, selber zu planen und unsere eigenen Ideen umzusetzen“, sagt Wilhelmine aus der 9. Klasse. Sie hat mit 17 weiteren Jugendlichen den Kurs belegt. „Schülerinnen und Schüler brauchen den körperlichen Ausgleich zur Theorie an der Tafel. Sie wollen gemeinsam anpacken und Erfolge sehen“, so Annette Knauf vom Stadtteilprojekt KURZE WEGE BUNTE HÖFE. Mit Opas altem Spaten sind auf diese Weise im Herbst letzten Jahres Himbeeren, Kornelkirschen, Lavendel und Apfelbäume in die Erde gekommen. Auch ein großes rundes Beet und zwei Hochbeete sind entstanden. Die Jugendlichen haben unermüdlich gejätet und gemulcht, Gründünger ausgebracht und eine Kräuterspirale gebaut. „Hier können sie was erleben“, scherzt die stellvertretende Schulleiterin Helga Dannbeck, die den Kurs ins Leben gerufen hat. Mit Humor und wachsender Geduld wird im Garten Nr. 9 jetzt also nachhaltig gegärtnert und gelernt!

Aber was passiert mit der restlichen Fläche? - will so mancher Passant wissen. Zwar ist die Fläche im Bebauungsplan „Am Rote Burg Graben/Südlich Tychsenstraße“ als Grünfläche mit der Zweckbestimmung „Dauerkleingärten“ festgesetzt, die Aufnahme der Kleingartenfläche in den Generalpachtvertrag der Stadt mit dem Verband der Gartenfreunde ist jedoch frühestens in zwei, drei Jahren als Ersatz für die noch verbliebenen Pächter der Kleingartenanlage „Pütterweg“ vorgesehen.

Bis dahin sollen die einzelnen Gartenparzellen als Zwischennutzung verschiedenen Akteuren zeitlich befristet - mit der Option auf Verlängerung - zur projektgebundenen gärtnerischen Nutzung übergeben werden. Sowohl Einzelpersonen als auch Urban-Gardening-Initiativen, darunter Verbände, Vereine, Bildungs- und Sozialeinrichtungen sowie dem Kleingartenverband und seinen Mitgliedsvereinen soll die Möglichkeit gegeben werden, gemeinsam unterschiedliche Formen des Gärtnerns auszuprobieren. Dieses „Initialprojekt“ ist eine von neun Schwerpunktmaßnahmen des Kleingarten-entwicklungskonzeptes „Grüne Welle-Stadtgarten Rostock“. Hier sollen neue Wege gegangen und Impulse für weitere kreative Stadtgartenprojekte in Rostock gegeben werden. Mit diesem experimentellen Ansatz will die Hanse- und Universitätsstadt Rostock eine Brücke schlagen zwischen traditionellem Kleingartenwesen und dem Konzept des „Urban Gardening“. Wer Lust hat, sich mit seinen Ideen in das „StadtGartenlabor“ einzubringen, ist hiermit herzlich eingeladen. Denkbar sind alle Formen des gemeinschaftlichen Gärtnerns.

Interessierte können sich beim Amt für Stadtgtün, Naturschutz und Friedhofswesen melden. Kontakt: Uta Bach, Tel. 0381 381-8507, E-Mail: uta.bach@rostock.de. Die einzelnen Maßnahmen können finanziell unterstützt werden. Dafür stellt die Hanse- und Universitätsstadt mit der „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur kommunalen Förderung des urbanen Gardening“ jährlich 100.000 Euro nach Maßgabe des städtischen Haushalts zur Verfügung.

Das Amt ist aber nicht nur zentraler Ansprechpartner und verantwortlich für die Koordination, sondern auch selbst Teil des Projektes. So ist auf einigen Teilflächen die Anlage von Musterwiesen geplant, von der reinen Blumenwiese bis hin zum Mager- oder Sandrasen. Anschaulich und für jedermann sichtbar sollen dort mehrjährige Blumenwiesen gedeihen. Durch eine zeitlich differenzierte Mahd werden unterschiedliche Entwicklungen demonstriert. Auf Informationstafeln sollen verschiedene Pflanzengemeinschaften erklärt werden. Darüber hinaus wird gezeigt, wo solche Wiesen im Rostocker Stadtraum geplant bzw. bereits zu finden sind. Für viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger ein Grund zur Freude, denn es wird bunter im Rostocker Süden.

Rostock - 10.02.2021
Quelle: Pressestelle Hanse- und Universitätsstadt Rostock