15 Jahre Jugendbauhütte


15 Jahre Jugendbauhütte Stralsund/Szczecin

15 Jahre erfolgreiche Jugendbildungsarbeit in der Hansestadt Stralsund

Seit 15 Jahren leistet die Stralsunder Jugendbauhütte erfolgreiche Jugendbildungsarbeit im Bereich der Denkmalpflege. Über 350 Jugendliche aus Deutschland und Polen haben sich seit 2003 für jeweils ein Jahr zu einem Freiwilligendienst in der Denkmalpflege angemeldet und sich auf Denkmalbaustellen in Stralsund und Umgebung für den Erhalt unseres baugeschichtlichen Erbes engagiert. Heute (4. Oktober) begrüßte der 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Holger Albrecht, die neue Freiwilligen im Rathaus. Dabei betonte er: "Wir als Stadt unterstützen gern, profitieren doch beide Seiten davon." Gunnar Möller, Denkmalpfleger im Amt für Planung ergänzt "Die Jugendbauhütte ist eine enorme Bereicherung für unser Welterbe." Für Petra Heldt, Geschäftsstellenleiterin des ijgd-Landesvereins Mecklenburg-Vorpommern e.V. und Schleswig-Holstein e.V.*, ist es besonders wichtig darauf hinzuweisen: "Wir brauchen die künftige Generation für die Denkmalpflege."

Jugendbauhütte

Sie gehören zu den Freiwilligen, die seit September für ein Jahr in der Jugendbauhütte Stralsund arbeiten und Erfahrungen im denkmalpflegerischen Bereich sammeln (v.l.n.r. im Sweatshirt der Jugendbauhütte): Marthe Küster, Rosa Wellmann, Vittoria Guarino und Sebastian Jasper, ganz links: Petra Heldt, Geschäftsstellenleiterin des ijgd-Landesverein Mecklenburg-Vorpommern e.V. und Schleswig-Holstein e.V., ganz rechts: Christian Barth, Leiter der Jugendbauhütte Stralsund/Szczecin. Er präsentiert hier ein Produkt aus der Arbeit der Jugendbauhütte - ein sogenanntes "Hobelpferd". (Foto: Pressestelle Hansestadt Stralsund)


Das Konzept der Jugendbauhütte
Denkmale sind Zeugnisse unserer Geschichte, die es über Generationen hinweg zu erhalten und pflegen gilt. Damit bei jungen Menschen die Faszination für historische Bauten, alte Handwerkstechniken und Bauweisen geweckt wird und weiter wächst, entwickelte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Idee der Jugendbauhütten. Mit dieser Initiative knüpft sie an die Tradition mittelalterlicher Bauhütten an und greift eines ihrer Merkmale auf: die Bildungsfunktion. Junge Menschen werden so in einem praxisorientierten, erlebnisreichen Jahr mit der Denkmalpflege vertraut gemacht, um Verantwortungsbewusstsein für unser bauliches Erbe zu gewinnen.

Die Teilnehmer
Für eine Jugendbauhütte können sich junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren bewerben, die Interesse an Baugeschichte sowie Handwerk zeigen und sich freiwillig für eine solche Aufgabe verpflichten wollen. Sie erhalten Verpflegungs- und Taschengeld sowie Zuschüsse zur Unterbringung. Im Laufe des Jahres in der Denkmalpflege arbeiten sie 40 Wochen unter Anleitung in Einsatzstellen – zum Beispiel bei Restauratoren, in Denkmalbehörden, in Museen, in Architekturbüros oder auch in Handwerksbetrieben wie Tischlereien und Zimmereien. Oftmals werden die Jugendlichen auf Denkmalbaustellen eingesetzt und kommen dort hautnah mit der historischen Bausubstanz in Berührung. Ob in den Gewölbekappen von St. Marien, an Teilen der Mehmel-Orgel von St. Jakobi oder bei der Innenausstattung von St. Nikolai - oft sind unsere jungen Freiwilligen beteiligt, wenn die wertvolle Bausubstanz für die Zukunft aufbereitet wird. Weitere Beispiele sind die Erstellung einer Übersicht zu Kunst an Gebäuden, die Freilegung von Gräbern auf dem Friedhof St. Jürgen oder auch die Erfassung aller Jugenstilgebäude in der Stadt.

Die Bildungsseminare
Zusätzlich zu der täglichen Arbeit in den Einsatzstellen greifen sechs Fachseminare die zahlreichen Facetten der Denkmalpflege auf. Hier erlernen die Jugendlichen grundlegende Arbeitstechniken, die sie erfolgreich zur Anwendung bringen. Dabei ist erneut der Praxisbezug durch die Arbeitserfahrungen an historischer Originalsubstanz von entscheidender Bedeutung. Hier wurden schon Techniken der Holzbearbeitung an den historischen Booten des Deutschen Meeresmuseums erarbeitet und Grundlagen der Gartendenkmalpflege auf dem St.-Jürgen-Friedhof zur Anwendung gebracht, es wurde gemeinsam mit erfahrenen Restauratoren am Museumshaus in der Mönchstraße historische Bausubstanz konserviert, im Stralsund-Museum bei der Vermittlung museumspädagogischer Inhalte mitgeholfen und zum Gelingen archäologischer Grabungen im Stralsunder Welterbebereich beigetragen.

Besonderheit
Die Stralsunder Jugendbauhütte hat eine große Besonderheit: Sie ist ein bi-nationales deutsch-polnisches Projekt mit einem zweiten "Heimathafen" in Szczecin. So führen Bildungsseminare auch nach Szczecin, und natürlich gibt es auch hier best-practice-Beispiele für den Einsatz unserer Jugendlichen hinsichtlich des Erhaltes des gemeinsamen Kulturerbes in unserer Region. So wirkt die „Jugendbauhütte Stralsund/Szczecin" seit nunmehr 15 Jahren als grenzübergreifendes, Schranken und Barrieren abbauendes Jugendbildungsprojekt in der Euro-Region Pomerania.

Ihre Basis hat die Jugendbauhütte übrigens im Heilgeistkloster. Die Italienerin Vittoria Guarino, die gegenwärtig zu den Freiwilligen gehört, stellt treffend fest: "Wir wohnen im Denkmal und arbeiten für Denkmale."

Die Stralsunder Jugendbauhütte im Internet:
https://www.denkmalschutz.de/denkmale-erleben/jugendbauhuetten/die-einzelnen-jugendbauhuetten/jugendbauhuette-stralsund.html

*ijgd ist die Abkürzung für Internationale Jugendgemeinschaftsdienste, sie organisieren Freiwilligendienste im In- und Ausland.

Stralsund - 04.10.2018
Quelle: Pressestelle Hansestadt Stralsund