Wir dürfen keine ländliche Region aufgeben!


Minister Dr. Till Backhaus (SPD): Wir dürfen keine ländliche Region aufgeben!

„Die ländlichen Räume stehen vor alten und neuen Herausforderungen. Die größte Herausforderung für die meisten ländlichen Regionen bei uns im Land wie überall in Deutschland ist der demografische Wandel. Die Ursachen sind bekannt: geringes Einkommen, anhaltende Landflucht wegen fehlender Arbeits- und Lebensperspektiven, zunehmende Überalterung und anhaltendes Geburtendefizit. Experten sagen für Mecklenburg-Vorpommern, bezogen auf das Jahr 2013, bis zum Jahr 2035 einen Bevölkerungsrückgang um weitere sieben Prozent voraus“, sagte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus auf dem heutigen Bürgergespräch „Stärken ländlicher Räume“ in der Stadt Richtenberg im Landkreis Vorpommern/Rügen.

Stärken ländlicher Räume

(Foto: Redaktion)


Der Minister stellte fest, „dass die Schere zwischen wohlhabenden und notleidenden Gemeinden immer weiter auseinandergeht“. Aus Gebieten mit großen demografischen Problemen – etwa der strukturschwachen Stadt Tribsees – kämen die wenigsten Anträge auf Förderprojekte aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER). „Denn Kommunen, die keine Eigenanteile aufbringen können, bleibt der Zugang zu den sehr guten nationalen und europäischen Fördermöglichkeiten verwehrt. Dort, wo es extreme Schrumpfung gibt, muss also der Staat eingreifen, denn wir dürfen und wollen keine Region aufgeben. Das ist wesentliches Ziel des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum“, so der Minister weiter.

Immerhin seien in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990 2,8 Milliarden Euro öffentlicher Zuschüsse für die Entwicklung der ländlichen Räume gezahlt worden. Sie ermöglichten bisher Gesamtinvestitionen von rund 6,7 Mrd. Euro im Land.

„Die neue Bundesregierung will zur Gewährleistung gleichwertiger Lebensbedingungen in allen Regionen Deutschlands bis 2019 ein neues Förderkonzept für die entlegenen ländlichen Räume auflegen. Wir werden das mit guten Ideen und Vorschlägen begleiten“, versicherte Backhaus.


Kernthemen für die Lebensfähigkeit ländlicher Räume seien neben verbesserten finanziellen Spielräumen durch eine gerechtere kommunale Finanzausstattung die Sicherung der Grundversorgung, der Mobilität und der Digitalisierung. „Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der ländlichen Räume ist, dass Vorstellungen für die künftige Entwicklung in der Region selbst entwickelt werden. Kommunen, Unternehmen, Vereine und weitere Akteure, die die Probleme vor Ort am besten kennen, müssen, Antworten auf die Frage geben: Wo wollen wir hin, wie wollen wir leben?“, sagte er. „Politik für ländliche Räume gelingt dann am besten, wenn sie passgenau auf die Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten ist“.

Der Minister verwies auf das auf Initiative der Landesregierung gegründete FORUM Ländliche Räume und Demografie aus Fachleuten und Institutionen, das als Informations- und Kommunikationsplattform den Erfahrungsaustausch der Regionen ermöglicht und Ideen der Akteure vor Ort mit vorhandenen Fördermöglichkeiten verknüpft (www.forum-mv.de).

Beispielsweise könnten die Erfahrungen des Modellvorhabens Land(auf)Schwung aus der Modellregion Vorpommern-Rügen eine Blaupause sein. „Die notwendigen Investitionen für die Erweiterung der Basisdienstleistungsangebote zur Sicherung der Daseinsvorsorge setzen wir mit gemeinsam den Landkreisen auf der Basis deren Integrierten Entwicklungskonzeptionen oder der regionalen LEADER- Strategien um“, erklärte der Minister.

Schwerin - 16.04.2018
Quelle: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt